Die Alzheimer Demenz

1. Einleitung

Unsere Gesellschaft hat sich in ihrer Struktur entscheidend verändert: Die Bevölkerung nimmt zahlenmäßig ab, ältere Menschen wird es jedoch immer mehr geben. In den nächsten Jahrzehnten ist mit einem deutlichen Anstieg altersbedingter Erkrankungen zu rechnen. Eine dieser Erkrankungen ist der Morbus Alzheimer. Es ist die häufigste Art von Demenz (=Verlust von intellektuellen und kognitiven Hirnfunktionen). Die Inzidenz nimmt mit steigendem Lebensalter zu, Frauen sind häufiger betroffen.
Demenzkranke sind dabei keine einheitliche Gruppe, sondern Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen und  Kompetenzen.

2. Seit wann kennt man diese Krankheit?

Die Alzheimer Krankheit ist nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer (1864 - 1915) benannt, der erstmals im Jahre 1906 die Demenz als " eigenartige Krankheit der Hirnrinde" wissenschaftlich beschrieb.
Heute wird der Erkrankung sehr großes Interesse entgegengebracht, was zum einen daran liegt, daß sehr viele Menschen davon betroffen sind und zum anderen am fortschreitenden Verlauf und den Symptomen der Demenz, die das alltägliche Leben schwer beeinträchtigen.

3. Was ist Morbus Alzheimer?

Alzheimer ist die häufigste Art der Demenz. Die Alzheimersche Krankheit ist eine fortschreitende, degenerative Erkrankung des Gehirns, wobei Gedächtnisleistung, Orientierung, Verhalten und Intelligenz beeinträchtigt sind. Störungen des Denk- und Urteilsvermögens machen die Bewältigung des normalen Alltags immer schwieriger.
Die Patienten sind zunehmend auf Hilfe und Unterstützung angewiesen.

Alzheimer ist eine hirnorganische Krankheit, gekennzeichnet durch den Untergang von Nervenzellen und Nerverzellkontakten. Im Gehirn sind typische Eiweißablagerungen festzustellen.

4. Ursachen

Die Krankheitsursachen sind bis heute nicht bekannt, es werden aber eine Reihe von Theorien diskutiert, die vermutlich alle ihre Berechtigung haben. Genetische, toxische, infektiöse und immunologische Ursachen stehen zur Debatte.
Die Veränderungen im Gehirn sind mikroskopisch sichtbar: Nerverzelluntergänge, die nach Alzheimer benannten Fibrillenveränderungen und pathologische Ablagerungen in der Hirnrinde sind charakteristisch.
Die kugelförmigen Proteinablagerungen bezeichnete Alzheimer noch als "senile Plaques", ihre Struktur konnte allerdings erst 1985 geklärt werden.
Biochemisch handelt es sich um ein Eiweißmolekül, bestehend aus 42 Aminosäuren, welches heute beta-A4 oder beta-amyloid genant wird. Für die Entstehung von Alzheimer ist außerdem ein 1987 entdecktes Molekül von Bedeutung: das Amyloid Precursor Protein (APP). Diese beiden Moleküle: beta-A4 und APP spielen die zentrale Rolle in der Entstehung der Erkrankung.

Man hat herausgefunden, daß Alzheimer in einigen Fällen dominant vererbt wird, die durch eine Mutation im APP-Gen, das auf dem Chromoson 21 liegt. In den erblich bedingten Fällen findet man einen besonders frühen Krankheitsbeginn.
In Folge von Aluminiumintoxikationen kommt es zu Neofibrillenveränderungen. Da man Aluminiumsilikat in den Plaques nachweisen konnte, nimmt man heute an, daß Aluminiumverbindungen Alzheimer auslösen können.
Hirnverletzungen und Schädel-Hirn-Traumen bewirken eine vermehrte Produktion von APP im Gehirn. Auch wenn diese Verletzungen Jahre zurückliegen erhöhen sie das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Boxer entwickeln beispielsweise frühzeitig beta-A4-Ablagerungen.

5. Diagnostik

Ein Frühsymptom der Erkrankung ist die Unfähigkeit, Neuinformationen zu speichern.
Eine Demenz vom Typ-Alzheimer liegt erst dann vor, wenn alltagsrelevantes kognitives Defizit in mindestens zwei neuropsychologischen Teilbereichen vorliegt: zum Beispiel Wortverwechslungen und Orientierungsstörungen. Die Symptomatik muß wenigstens über 6 Monate fortschreiten.
Das EEG zeigt eine allgemeine Verlangsamung des Grundrhythmus, meist stellt man einen verminderten Stoffwechsel und und reduzierte Durchblutung des Gehirns fest.
In den Schnittbildverfahren MRT und CT des Gehirns erkennt man eine das ganze Hirn betreffende Verkleinerung.
Im Liquor kann eine erhöhte Eiweißkonzentration vorliegen.
Da diese Symptomatik auch auf andere Krankheiten zutrifft, ist bei der Alzheimer Erkrankung eine differenzierte Diagnose besonders wichtig. Wichtig sind insbesondere die starken Persönlichkeitsveränderungen.

6. Verlauf

Typisch ist der chronisch-fortschreitende Verlauf, der mit einfachen Gedächtnisstörungen beginnt.
Wie bereits erwähnt ist eines der ersten Symptome die Unfähigkeit neue Informationen zu speichern. Immer wieder wird dasselbe nachgefragt und doch wieder vergessen.  Besonders Schwierigkeiten mit neuen Situationen beeinträchtigen das Leben der Patienten. Später finden sie sich selbst im vertrauten Umfeld nicht mehr zurecht.
Orientierungs-, Merkfähigkeits- und Denkstörungen machen die Bewältigung des Alltagslebens immer schwieriger. Oft bleiben äußeres Auftreten und Persönlichkeit lange Zeit intakt.
Charakteristisch für Die Demenz vom Typ Alzheimer sind Wortverwechslungen und Wortfindungsstörungen sowie das Durcheinanderbringen von Bewegungsabläufen.
Im Verlauf treten oft Reflexe aus der Kindheit ( Greifreflex und Saugreflex) wieder auf. Im Endstadium führt die Krankheit oft zu vollständiger Pflegebedürftigkeit.

7. Therapie

Da die Krankheit nicht heilbar ist, ist es besonders wichtig, sie frühzeitig zu erkennen, denn nur dadurch kann der Verlauf hinausgezögert werden.
Wichtig für den Patienten ist auch, daß seine verlangsamte Denkweise ihn nicht von sozialen Aktivitäten ausschließt und daß er gut betreut wird.
Seit einiger Zeit stehen Arzneimittel  zur Verfügung, die den Verlauf der Erkrankung um ca. 2 Jahre hinauszögern und helfen, die Gedächtnisleistung verbessern.
Bei den Arzneimitteln handelt es sich um Substanzen, die im zentralen Nervensystem angreifen und dort die Konzentration von 2 Neurortansmittern beeinflussen.
Acetylcholin ist ein Neurotransmitter(Botenstoff), der in der Genese der Alzheimererkrankung eine Rolle spielt. Es kommt zu einem Mangel an Acetylcholin, womit einige Krankheitssymptome erklärt werden. Durch das Enzym Acetylcholinesterase wird der Transmitter abgebaut. Wird das Enzym gehemmt und dadurch der Abbau von Acetylcholin vermindert, steht mehr Acetylcholin zur Verfügung.

Dies ist der Wirkmechanismus der Acetylcholinesterasehemmer. 3 verschiedene stehen derzeit zur Verfügung.
- Donezepil, seit Oktober 1997 in Deutschland zugelassen
- Rivastigmin seit Juni 1998 erhältlich und
- Galantaminseit März 2001 zugelassen.
Alle Substanzen sind zugelassen für die Behandlung von leichter bis mittelschwerer Demenz. Es kann zu Nebenwirkungen im Bereich des Magen-Darm-Traktes kommen wie z.B. Übelkeit und Erbrechen. Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit können auftreten

Glutamat ist ebenfalls ein Neutotransmitter,der im Alzheimergeschehen eine Rolle spielt. Glutamat ist für Lern- und Gedächtnisvorgänge notwendig. In hohen Konzentrationen besitzt Glutamat allerdings zellzerstörende Wirkungen. Bei der Alzheimer Demenz kommt es zu verstärkten Ausscüttung von Glutamat, so daß die schädlichen Wirkungen überwiegen und Nervenzellen zugrunde gehen.
Der Wirkstoff Memantine verändert die schädlichen Auswirkungen von Glutamat an den sogenannten NMDA Rezeptoren. So werden Nervenzellen geschützt, vor der Zerstörung bewart und die Funktion der Zelle verbessert. Memantine wird als NMDA-Antagonist bezeichnet und ist als einziger Wirkstoff zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Alzheimer Erkrankung zugelassen.
Memantine ist gut verträglich. Klinische Studien lassen erkennen, dass Nebenwirkungen meist vorübergehend sind und durch einschleichende Dosierung vermieden werden können.

Es gibt andere Möglichkeiten die Krankheit zu behandeln. Substanzen, die die Fließfähigkeit des Blutes beeinflussen führen zu einer Verbesserung der Sauerstoff- und Glukoseversorgung des Gehirns und so zu einer besseren Hirnleistung.  Zur Verfügung stehen Pentoxyfyllin, Naftidrofuryl und Ginko-biloba-Extrakte.
Ein anderer Ansatz ist Behandlung mit dem Calciumantagonisten Nimodipin. Es soll das neuronale Kalziumgleichgewicht, das bei einer Alzheimer-Demenz gestört ist, wieder herstellen.

Wichtig sind therapiebegleitende Maßnahmen wie z.B. Gehirntraining und Bewegungstherapie. Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr muß unbedingt geachtet werden, da sich die Hirnleistung bereits bei geringer Dehydratation rapide verschlechtert.

Aussichten: Die Erforchung der Amyloidablagerung bietet die Chance, dass in naher Zukunft Substanzen zur Verfügung stehen, die frühzeitig kausal und präventiv wirken.

8. Selbsthilfe

Im Falle einer Demenzerkrankung kann der betroffene Patient die Behandlung mit der sogenannten ABCD-Therapie unterstützen.
Arzneimittel
Die Alzheimer Erkrankung kann nicht geheilt werden. Die regelmäßige Einnahme der Medikamente verbessert jedoch die kognitiven Fähigkeiten. Begleiterscheinungen wie Unruhe und Depressionen lassen sich therapieren
Bewegung
sorgt für eine bessere Durchblutung des Gehirns und verbessert so die Denkleistung.
Cerebrales Training
hilft die geistige Beweglichkeit zu trainieren. Besonders im frühen Krankheitsstadium ist es eine Möglichkeit die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten. Man sollte darauf achten, den Patienten nicht zu überfordern.
Diät
Eine ausgewogene Ernährung sollte vitaminreich, mineralreich sowie fettarm sein. Der Eiweißbedarf sollte durch fettarmes Fleisch, Fisch und Milchprodukte gedeckt werden.
Besonders wichtig ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr.